Berechnung eines wirtschaftlich tragbaren Honorars

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Für Einsteiger ist es oft schwierig, einen Stundensatz oder Zeilenpreis zu ermitteln, der hoch genug ist, dass sich die Selbständigkeit auch langfristig rechnet und der trotzdem wettbewerbsfähig ist.

Im Folgenden wird anhand eines Rechenbeispiels ein mögliches wirtschaftlich tragfähiges Honorar ermittelt. Um zu einem eigenen Ergebnis zu kommen, müssen die verwendeten Zahlen so gewählt werden, dass sie auf die eigene persönliche Situation zutreffen.

Als Basis für die Berechnungen dient das Einkommen eines fest angestellten Übersetzers mit Universitätsabschluss, der als Berufsanfänger im öffentlichen Dienst angestellt ist und aus zwei Ausgangssprachen in seine Muttersprache Deutsch übersetzt. Demnach würde er nach TVöD in die Gehaltsstufe 13 fallen, was einem monatlichen Gehalt von 2.955,88 Euro entspricht.


Inhaltsverzeichnis

Schritt 1: Berechnung der Arbeitszeit

Da ein freiberuflicher Übersetzer nicht 100 % seiner Arbeitszeit tatsächlich übersetzen kann, muss man zunächst die produktiven Tage berechnen.

Es wird davon ausgegangen, dass der freiberufliche Übersetzer 40 Stunden pro Woche arbeitet. Das macht bei 52 Wochen jährlich und 5 Arbeitstagen pro Woche 260 Arbeitstage pro Jahr.

Von diesen 260 Arbeitstagen werden 30 Urlaubstage pro Jahr abgezogen. Fest angestellte Übersetzer müssen während des Urlaubs nicht arbeiten, beziehen aber trotzdem weiter ihr Gehalt. Daher müssen freiberufliche Übersetzer den Umsatzverlust, den sie durch die nicht produktiv genutzten Tage haben, an den übrigen Tagen ausgleichen. Hinzu kommen im Schnitt etwa 10 Feiertage pro Jahr, die nicht auf ein Wochenende fallen. Es bleiben also 220 Arbeitstage.

Für einen Selbständigen fallen jedoch auch Tätigkeiten an, die keine direkten Einnahmen bringen: Auftragsverhandlungen, Rechnungsstellung und Buchhaltung, behördliche Pflichten (z. B. Umsatzsteuervoranmeldungen), Einkauf von Büromaterial, Einarbeitung in neue Fachgebiete etc. In der Fachliteratur wird für solche Tätigkeiten etwa 20 % der Arbeitszeit veranschlagt. Von den 220 Arbeitstagen fallen also 44 weitere für Verwaltungstätigkeit weg. Außerdem sollten noch Zeiten für unvorhergesehene Ereignisse eingeplant werden, z. B. Krankheit (durchschnittlich etwa 3 % der Arbeitszeit, also 7 Tage), Weiterbildung (durchschnittlich etwa 2 % der Arbeitszeit, also 4 Tage) und Schwankungen in der Auslastung (schwer kalkulierbar, Annahme 2 Tage).

Kalkuliert man also 13 Tage für unvorhergesehene Ereignisse, so verbleiben insgesamt 163 Tage, das sind 1.304 Stunden (bei einem Achtstundentag) für produktive Übersetzungsarbeit.


Schritt 2: Berechnung der Mehrkosten

Das oben genannte Monatsgehalt eines festangestellten Übersetzers entspricht einem Jahresgehalt von rund 35.470 Euro. Für den freiberuflichen Übersetzer sind dies die direkten Lohnkosten. Hinzu kommen aber noch die indirekten Lohnkosten, da ein Angestellter vom Arbeitgeber ca. die Hälfte seiner Sozialversicherungsbeiträge erstattet bekommt.

Der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung beträgt (ohne Krankengeld) 14,9 % und für die Pflegeversicherung 2,2 %, wenn der Arbeitnehmer keine Kinder hat (sonst 1,95 %). Für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlt ein kinderloser Selbständiger also 6.065 Euro jährlich. Bei der Altersvorsorge geht das Rechenbeispiel davon aus, dass der Selbständige nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, sondern eine private Altersvorsorge hat, in die monatlich 100 Euro einbezahlt werden, macht 1.200 Euro pro Jahr (die Kosten für die gesetzliche Rentenversicherung würden bei dem im Beispiel angenommenen Jahresgehalt 7.059 Euro jährlich betragen). Möchte der Selbständige sich gegen Auslastungsrisiken freiwillig arbeitslosenversichern lassen, so macht das jährlich weitere 532 Euro aus, die sich aus 50 % der Bruttoeinkünfte (Stand 2011) mit einem Beitragssatz von 3 % ermitteln. Allein für die Sozialversicherungen ergeben sich daher Mehrkosten von 7.797 Euro jährlich.

Hinweis Alexander von Obert: Die Altersrückstellungen sind hier eindeutig zu niedrig angesetzt. Unterstellen wir, dass die Verzinsung der Rücklagen nach Steuern gerade die Inflation ausgleicht (wir reden hier von wirklich krisensicheren Anlagen!) und die Rente halb so lange bezogen wird wie vorher Rücklagen gebildet werden, dann sind 500 EUR/Monat die Untergrenze. Empfehlung: Wenn ein Monat finanziell gut gelaufen ist, sollen 50% des verfügbaren Einkommens (also Umsatz minus Geschäftskosten, Steuern u.ä.) in die Rücklagen fließen. Wer mehr ausgibt, lebt eindeutig über seine Verhältnisse und riskiert Altersarmut.

Zusätzlich zu den Lohnkosten hat ein freiberuflicher Übersetzer aber noch weitere Kosten, die erwirtschaftet werden müssen. In der folgenden Tabelle wird beispielhaft dargestellt, welche Kosten pro Jahr anfallen und in welcher Höhe. Bei einer eigenen Honorarkalkulation sollten diese Werte selbstverständlich durch eigene ersetzt werden.


Abschreibungen auf Investitionen:

PC (AK 1.500 Euro, AfA 3 Jahre)500 EUR
Bildschirm (AK 400 Euro, Afa 4 Jahre)100 EUR
Drucker, Scanner, Fax (AK 800 Euro, Afa 4 Jahre)200 EUR
Bürosoftware (AK 900 Euro, Afa 3 Jahre)300 EUR
Übersetzungssoftware (AK 900 Euro, Afa 3 Jahre)300 EUR
Büroeinrichtung (AK 5.000 Euro, Afa 10 Jahre)500 EUR

Laufende Bürokosten:

Druckerpatronen, Papier, Briefumschläge, Briefmarken etc.600 EUR
Telefon, Fax, Mail etc.600 EUR
Wartungskosten PC etc. (15 % der AK)405 EUR

Werbekosten:

Homepage, Briefpapier, Visitenkarten, Flyer etc.360 EUR
Verbandsmitgliedschaften200 EUR

Fortbildung:

Wörterbücher200 EUR
Fortbildungen450 EUR
Fachzeitschriften100 EUR

Banken, Versicherungen etc.:

Rechtsschutz, Vermögensschaden-Haftpflicht300 EUR
Beratungskosten480 EUR
Bankkosten100 EUR

Sonstiges (Rundungsbetrag):

55 Euro

In der Summe ergeben sich hieraus Mehrkosten in Höhe von 5.750 Euro im Jahr. In der Betrachtung wurde davon ausgegangen, dass der freiberufliche Übersetzer von zu Hause aus arbeitet. Ansonsten fallen weitere Kosten für die Büromiete und Nebenkosten an.

Um auf das gleiche Gehalt wie ein festangestellter Übersetzer zu kommen, muss der Freiberufler also 13.547 Euro mehr verdienen. Bei dem vorgenannten Jahresgehalt des Festangestellten von 35.470 Euro kommt man so auf 49.017 EUR.

Schritt 3: Berechnung des Stundenlohns bzw. des Zeilenpreises

Das ermittelte Jahresgehalt von 49.017 Euro muss der freiberufliche Übersetzer in seiner produktiven Zeit von 1.304 Stunden jährlich erwirtschaften.

Es ergibt sich somit ein Stundenlohn von rund 37,60 Euro.

Um diesen Stundenlohn in einen Zeilenpreis umzurechnen, muss der Übersetzer wissen, wie viele Zeilen er pro Stunde übersetzen kann. Wenn man von einem einfachen Text ohne hohe Anforderungen an Sprachstil oder Fachkenntnisse ausgeht, für den nur ein sehr geringer Rechercheaufwand erforderlich ist, so kann man damit rechnen, dass man eine Normseite mit 30 Zeilen in einer Stunde übersetzen kann. Somit beträgt der Zeilenpreis 1,25 Euro netto, das heißt ohne Umsatzsteuer.

(Petra Heine)

Verweise

Honorar-Kalkulation für Dienstleistungen: realistische Stundensätze berechnen! bei Akademie.de

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