Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Die EÜR - Was ist das?
Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist eine Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 des EStG, also eine (formale) Abschlussrechnung für ein Kalender- oder Wirtschaftsjahr.
Wer braucht sowas?
Nach H 142 EStH müssen Freiberufler - zu denen ja die meisten Autoren und Übersetzer gehören - keine Bilanzen führen. Hier ist die EÜR eine gute Alternative.
Ist man allerdings Vollkaufmann und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 260.000 Euro oder einen Jahresgewinn von mehr als 25.000 Euro - was wohl eher auf Übersetzungsagenturen zutrifft -, muss man bilanzieren. Dazu wird man dann aber vom Finanzamt explizit aufgefordert.
Wie funktioniert das?
Bei dieser Art der Gewinnermittlung ist keine doppelte Buchführung nötig. Man zieht einfach von den Einnahmen eines Jahres die Ausgaben desselben Jahres ab und erhält so den Gewinn (oder Verlust) des betreffenden Jahres.
Dabei gilt - anders als bei der doppelten Buchführung - das Zu- und Abflussprinzip:
Einnahmen gelten für das Kalenderjahr, in dem sie "zugeflossen" sind (z.B. auf dem Konto eingegangen sind). Dies gilt auch für Teilzahlungen und Vorschüsse, was bei Übersetzern/Autoren ja häufiger der Fall ist. Ausgaben sind entsprechend in dem Jahr absetzbar, in dem sie getätigt wurden. Das betrifft auch die anteiligen Absetzungen für Abnutzung (die sogenannten AfAs).
Was muss man konkret dafür tun?
Einnahmen auflisten:
Alle Einnahmen netto, die darauf "vereinnahmte" (= erhaltene) Umsatzsteuer und gegenbenenfalls vom Finanzamt erstattete Vorsteuerbeträge werden getrennt aufgeführt.
Ausgaben auflisten:
Zu den relevanten Ausgaben gehören (nicht erschöpfend) Bürobedarf, Telefon-, Internet- und Portokosten, Fachliteratur, Mitgliedsbeiträge für Berufsvereinigungen, Raumkosten und Büroeinrichtung des Arbeitszimmers/Büros, außerdem berufliche Kfz-Kosten, Verpflegung auf Geschäftsreisen... und Ausgaben für Steuerberatung und Buchführung!
Dazu kommen noch die gezahlten Vorsteuerbeträge und die bereits ans Finanzamts entrichtete Umsatzsteuer.
Welche Form muss diese Art der Gewinnermittlung haben?
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich schon im Laufe des Jahres Aufzeichungen zu machen, was die, die einmal im Monat oder Quartal eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben müssen, ja sowieso tun.
Das offizielle EÜR-Formular findet man in den Anlagen zur Einkommensteuererklärung auf der Elster-CD-Rom, die man kostenlos beim Finanzamt bekommt. Die Elster-Software kann man sich aber auch aus dem Internet herunterladen. Wem die papierene Form (z.B. auch nur für Probeeinträge) angenehmer ist, für den hält das zuständige Finanzamt auch das passende Formular bereit.
Wer hilft beim Ausfüllen?
Die Hinweise im Elster-Programm helfen (ein bisschen) weiter, so auch freundliches Nachfragen beim Sachbearbeiter im Finanzamt, sowie entprechende Hilfefunktionen in einer Steuererklärungs-Software.
Was bringt mir das? - Vor- und Nachteile der EÜR
Vorteile:
- Man erhält nicht nur fürs Finanzamt, sondern auch für sich selbst einen guten Überblick über Einnahmen und Ausgaben.
- Diese Form der Gewinnermittlung ist längst nicht so komplex - und zeitraubend - wie die doppelte Buchführung.
- Klappert man die Kategorien des Formulars nacheinander ab, vergisst man wichtige Punkte (was man alles noch absetzen könnte!) nicht so leicht.
- Eine solche Übersicht erleichtert einem die Gewinnermittlung für die Jahres-Steuererklärung. Ist die Gewinnermittlung nämlich zu wenig plausibel oder fehlt sie ganz, darf das Finanzamt den Gewinn einfach schätzen!
Nachteile:
- Noch ein Formular mehr für die Steuererklärung oder zusätzlicher Aufwand für die selbst erstellten Aufzeichungen und Berechnungen.
- Das Manko aller Formulare: Es gibt vielzuviele Felder, die für den eigenen Steuerfall oft gar nicht mal relevant sind und das Formular unübersichtlich machen.
Fazit:
Wie alles, das mit der Steuererklärung zu tun hat, bedeutet auch die EÜR erstmal Aufwand, allerdings deutlich weniger als die Bilanzierung nach HGB- oder IFRS-Richtlinien.
Mit der Zeit bekommt man aber Routine im Erstellen der Aufzeichnung und dem Ausfüllen des Formulars, so dass sich der Zeitaufwand nach und nach auch merklich verringert.
...und ein detaillierter Überblick über das, was die eigene Arbeit finanziell abwirft, ist ja auch nicht zu verachten!